Dies & Das: Pühringer und ÖVP-Seniorenbund wollen höheres Pensionsalter

3. Jänner 2019, 08:37

 


Nach Anstieg des tatsächlichen Pensionsalters wollen ÖVP-Senioren ein höheres gesetzliches Limit andenken

ÖVP-Seniorenbundchefin Ingrid Korosec wünscht sich, dass die Österreicherinnen und Österreicher künftig länger arbeiten und weniger lang in Pension sind.

foto: apa /hans klaus techt
ÖVP-Seniorenbundchefin Ingrid Korosec wünscht sich, dass die Österreicherinnen und Österreicher künftig länger arbeiten und weniger lang in Pension sind.

Wien – Die ÖVP-Senioren wollen das neue Jahr nutzen, um darüber nachzudenken, wie man jüngere Menschen in Österreich künftig länger zum Arbeiten verpflichten kann. Nach dem oberösterreichischen Altlandeshauptmann Josef Pühringer, der im ORF einen Anstieg des gesetzlichen Pensionsalters angedacht hat, regt nun auch die ÖVP-Seniorenbundchefin Ingrid Korosec an, eine längere Lebensarbeitszeit vorzusehen. Sie sagte laut einem Bericht der „Presse“ vom Donnerstag, der Vorschlag, das Pensionsalter anzuheben, sei „eine gute Idee“. Dass Menschen angesichts steigernder Lebenserwartung „30 Jahre und länger in Pension seien – das werde „auf Dauer nicht gehen“.

Pühringer, er ist auch oberösterreichischer Seniorenbundchef, hatte laut dem ORF-Bericht die Anhebung des Pensionsantrittsalters freilich nur als einen letzten Schritt eines Maßnahmenpaketes bezeichnet. Zuvor müsse das tatsächliche Pensionsantrittsalter an die bestehenden Vorgaben herangeführt werden. Dieses lag in Österreich nach Zahlen von 2017 bei 61,8 Jahren und damit deutlich unter dem gesetzlichen Wert von 65 Jahren bei Männern und 60 Jahren bei Frauen (sowie 65 für Angehörige beider Geschlechter, die als Beamtinnen oder Beamte arbeiten).

SPÖ dagegen

Für die Koalition gilt das Thema Pensionen bisher als einer jener Brocken, die man wegen ihres explosiven Gehalts nur wenig angegriffen hat – immerhin sind ältere Menschen ein bedeutender Wählerblock. Im Regierungsprogramm findet sich nur wenig zum Thema. Die SPÖ stellte sich in einer ersten Reaktion klar gegen die Forderung. Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda sagte ebenfalls in der „Presse“, seine Partei werde sich gegen die Pläne „auflehnen“. Er verweist darauf, dass viele ältere Menschen unfreiwillig vor der gesetzlich festgelegten Grenze aus der Arbeitswelt ausscheiden, etwa weil sie nach einem Jobverlust keine neue Beschäftigung mehr finden. Vor dem Hintergrund einer steigenden Langzeitarbeitslosigkeit bei Menschen über 50 laufe der Plan auf „nichts anderes als eine Pensionskürzung“ hinaus. (red, 3.1.2019)

Dazu: Dauer der Arbeitlosigkeit und die Verteilung auf die Altersstufen; wie steht es mit der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess der Gruppe 55+

ORF.atnews vom 6.2.2015

Bildergebnis für durchschnittlichen dauer von arbeitslosigkeit

Um eine Woche länger auf Arbeitssuche

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist in den vergangenen Jahren nicht nur in ihrer Häufigkeit gestiegen, auch die Dauer wuchs an. Arbeitslose waren 2014 im Schnitt 104 Tage lang ohne Job, das ist eine ganze Woche mehr, als noch im Jahr davor (97 Tage). Zum Vergleich: 2008, also noch bevor die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu spüren waren, betrug die Verweildauer im Schnitt 88 Tage

Der Großteil der Arbeitslosen findet schneller wieder in das Arbeitsleben zurück – die meisten (69 Prozent) innerhalb der ersten drei Monate, erklärt Beate Sprenger vom Arbeitsmarktservice (AMS) gegenüber ORF.at. Jeder vierte Arbeitslose benötigt zwischen drei und sechs Monaten.

Langzeitarbeitslosigkeit nach oben geschnellt

Nur knapp ein Prozent fand länger als 365 Tage keinen Job und galt damit als langzeitarbeitslos. Im Jänner waren das in absoluten Zahlen 20.207 Personen (der Großteil davon männlich). Das klingt nach relativ wenig, vergleicht man die Zahl jedoch mit der Vorjahreszahl, ist der Anstieg dramatisch. Die Zahl hat sich mehr als verdoppelt (plus 132,5 Prozent). Sie sei relativ gesehen natürlich „hoch“, so Sprenger. Insgesamt seien aber nach wie vor sehr wenige Personen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Da müsse man „die Kirche im Dorf lassen“.

Grafik zur Langzeitarbeitslosigkeit in Österreich

ORF.at

Fünfmal so viele Langzeitbeschäftigungslose

Hedwig Lutz vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) will das so nicht gelten lassen. „Die Definition ist mit Vorsicht zu genießen“, so die Arbeitsmarktexpertin im Gespräch mit ORF.at. Denn sobald ein Arbeitsloser in diesen 365 Tagen an einer Schulung teilnehme, die länger als 28 Tage dauere, oder vorübergehend eine Stelle finde, falle er aus der Definition. Die Zählung beginne bei null. Die Langzeitbeschäftigungslosenzahlen seien deshalb „wesentlich aussagekräftiger“.

Arbeits- vs. beschäftigungslos

Personen, die über 365 Tage arbeitslos gemeldet sind, werden nach AMS-Definition als langzeitarbeitslos gezählt. Unterbrechungen bis zu 28 Tage bleiben unberücksichtigt. Langzeitbeschäftigungslos sind hingegen auch jene, die in diesem Zeitraum an Schulungen teilnehmen oder vorübergehend einen Job haben.

„Es zeigt sich, dass es de facto viel mehr Menschen gibt, die innerhalb eines Jahres nicht nachhaltig in das Beschäftigungssystem integriert werden können, als mit dem Indikator Langzeitarbeitslosigkeit ersichtlich ist“, so Lutz. „Viel mehr“, das waren nach der Definition des Begriffs Langzeitbeschäftigungslosigkeit im Jänner 102.784 Personen, also mehr als fünfmal so viele wie jene, die das AMS als langzeitarbeitslos bezeichnet. Auch hier ist der Anstieg gegenüber Jänner 2013 beträchtlich: Mehr als 31.340 Personen beträgt das Plus, das sind fast 44 Prozent.

Dauer der Krise verschärft Situation

Die beiden Arbeitsmarktexpertinnen sehen dafür zwei Gründe: Einerseits würden sich durch die lange Dauer der Krise immer mehr Menschen schwertun, in Beschäftigung zurückzufinden, erklärt Lutz. Auch Sprenger argumentiert ähnlich. Das treffe insbesondere ältere Erwerbspersonen. Deren Zahl steige wegen der starken Jahrgangsbesetzungen und wegen des erschwerten Zugangs in vorzeitige Pensionen, so Lutz. Die Zahl der Arbeitsplätze steige zwar, aber es kommen auch immer mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt. „Die einen verdrängen die anderen“, vor allem bei weniger gut Qualifizierten, so Lutz.

AMS verlagerte Schwerpunkt

Zweitens wirkt sich die Tatsache, dass das AMS weniger kurzfristige Schulungen anbietet, auf die Statistik aus. Sprenger erklärt, dass deutlich weniger, dafür jedoch längere und qualitativ hochwertigere Schulungen angeboten werden. Das AMS hat seinen Schwerpunkt, wie auch AMS-Vorstand Johannes Kopf kürzlich gegenüber Ö1 erklärte, verschoben: Großer Wert werde auf die Reintegration älterer Arbeitnehmer gelegt, dafür gebe es weniger Qualifizierungen. Diese Maßnahmen beginnen auch langsam zu greifen, so Sprenger.

Grafik zur Langzeitarbeitslosigkeit in Österreich

ORF.at

Je älter, desto schwieriger die Rückkehr

Ältere Personen sind von Langzeitarbeitslosigkeit besonders stark betroffen. 47 Prozent der Menschen, die 2014 länger als zwölf Monate keinen Job hatten, waren über 50 Jahre alt. Gut jeder zweite Langzeitarbeitslose entstammt der größeren Gruppe der 25- bis 49-jährigen Arbeitslosen. Ältere Arbeitnehmer verlören zwar nicht so schnell ihren Job wie jüngere, so Lutz. Wenn sie ihn jedoch verlören, dann sei es für sie umso schwieriger, wieder einen neuen zu bekommen.

Das lässt sich auch an den Zahlen des Sozialministeriums ablesen: Während die durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitslosigkeit bei 104 Tagen liegt, sind über 50-Jährige bereits mindestens 121 Tage auf der Suche. Zwischen 55 und 59 sind es dann schon 138 Tage.

Maßnahmen greifen

Auch Lutz glaubt, dass die Maßnahmen, die von Regierung und AMS für die Gruppe 50 plus gesetzt wurden, zu greifen beginnen. Dazu zählt etwa die Eingliederungsbeihilfe, eine Lohnkostensubvention für Betriebe, die ältere Arbeitslose einstellen. Die Arbeitslosenquote der Altersgruppe 50 plus ist zwar nach wie vor höher als im Durchschnitt aller Altersgruppen, sie ist aber etwa zuletzt im Jänner 2015 etwas weniger stark gestiegen, so Lutz.

Petra Fleck, ORF.at

AMS Zahlen aus 2017 : 

https://1drv.ms/u/s!ApgTwGDCMRb6hL4HPc_CYQI2Lbblqw

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