Dies & Das: „Homo ludens“

 

 

Kärntner des Tages

Bertram Deininger


Spiel-Macher seit 20 Jahren

Der Klagenfurter Bertram Deininger (50) besitzt die einzige mobile Ludothek im deutschsprachigen Raum. Mehr als 10.000 verschiedene Spiele nennt er sein Eigen. Selbst kommt er kaum zum Spielen.Von Julia Primus | 06.00 Uhr, 17. Mai 2018

Klassiker wie „Monopoly“ und „Rummikub“, Strategiespiele wie „Die Siedler“ und „Risiko“ oder schräge Exemplare wie „Exploding Kittens“ (Explodierende Kätzchen) – er hat sie alle. Bertram Deininger aus Klagenfurt besitzt eine Sammlung mit über 10.000 verschiedenen Spielen, die er bei Veranstaltungen wie Spieletagen an den Mann oder die Frau bringt. „Von Jung bis Alt ist bei mir jeder Spielefan willkommen. Ob Anfänger oder Experte, ich finde für jeden das richtige Spiel“, sagt Deininger.

Seit über 20 Jahren gibt es „Bertrams rollende Ludothek“, die österreichweit und auch in Deutschland unterwegs ist. Je nach Veranstaltungstyp bringt er 350 bis 500 Spiele mit. Pro Jahr legt der Spielefreund schon einmal 90.000 Kilometer zurück. „Ich habe es zu meiner Aufgabe gemacht, die Menschen zum Spielen zu bringen. Jeder soll mit Freude dabei sein, dann habe ich mein Ziel erreicht“, sagt Deininger. Bei Veranstaltungen wie den Ebenthaler Spieletagen kommen in den drei Tagen rund 1500 Spielwillige. Außerdem hält er auch Schulungen und Trainingseinheiten für Handelsvertreter und Bibliotheken ab.

Zu seinen Besuchern gehören vor allem Familien, aber auch junge Erwachsene und Senioren. Die beliebtesten Spiele sind Klassiker wie „Das verrückte Labyrinth“, „Das Spiel des Lebens“, Familienspiele wie „Scrabble“ oder „Halma“, aber auch schräge Neuheiten wie „Spirit Island“.

„Bei den Kleinen stehen Einhörner oder Lizenzspiele mit ,Star Wars‘ und dem Disney-Film ,Frozen‘ hoch im Kurs. Bei älteren Spielern und jungen Erwachsenen sind Experten- und Strategiespiele sehr beliebt“, so der Klagenfurter.

War ein „Bastelkind“

Privat hat der Spiele-Meister nicht viel Zeit zu spielen. Seine Arbeit und die vielen Veranstaltungen nehmen ihn ganz ein. „Wenn ich wirklich Zeit habe, gehe ich gerne spazieren. Wenn ich wo anders übernachte, gehe ich an einem Abend schon einmal zehn Kilometer, um den Ort zu erkunden“, sagt er. Als Kind war Deininger kein Spielefan, sondern ein „Bastelkind“. „Meine Begeisterung für das Spielen kam erst durch Fantasy- und Rollenspiele. Da war ich schon 19“, erzählt der 50-jährige.

Nach seinem Hauptschulabschluss begann er eine Lehre als Koch, die er kurz darauf an den Nagel hängte. Dann startete er eine Lehre als Spielwarenverkäufer in Klagenfurt, nach sechs Jahren zog es ihn nach Villach, wo er die Leitung eines Papier- und Spielwarenhandels übernahm. Später war er für kurze Zeit im Modellbaugeschäft tätig. Vor gut 20 Jahren startete er dann die rollende Ludothek, mit der er seither durch die Städte tourt.

Zu seinen persönlichen Favoriten zählen Logik- und Geschicklichkeitsspiele wie „Dr. Eureka“, Kartenspiele wie „Lucky Lux“ oder Klassiker wie „El Dorado“. Deiningers Begeisterung für Spiele ist nach wie vor ungebrochen: „Spiele haben viele tolle Eigenschaften. Sie bringen Freude, stärken soziale Kontakte und können auch im hohen Alter noch begeistern.“

Warum analoge Spiele in einer digitalen Welt? Gedanken von Roberto Siano

Digitalisierung ist ein Megatrend – alles wird smarter. Das Ziel ist oftmals das Leben zu erleichtern oder zu beschleunigen. Das „internet of things“ steht vor der Türe. Bald muss man auf den Flohmarkt oder ins Brockenhaus gehen, wenn man einen Kühlschrank will, der nicht selbständig online geht. Diese Entwicklung macht in vielen Bereichen Sinn, in anderen vielleicht weniger, aber aufzuhalten ist sie definitiv nicht. Persönlich war ich schon immer ein Analog- und Digitalspieler. Ich habe Nächte mit Karten und Spielfeldern, aber auch mit Konsolen und Bildschirmen verbracht. Wobei ich beidem seinen Reiz abgewinnen kann. Aber momentan erlebe ich eine mediale, digitale Übermacht in der Spielwelt, dass ich eine Lanze für analoge Lösungen brechen will, da diese einzigartige Vorteile haben. Mir geht es aber nicht darum, digital gegen analog auszuspielen. Digitale Lösungen besitzen klare Vorzüge, wie z.B. Unabhängigkeit von Zeit und Ort, Skalierbarkeit und Verbreitungsmöglichkeiten. Original Nintendo Gameboy with Tetris running Aber welches sind die Vorteile analoger Spiele? Einerseits sind sie meist einfacher umzusetzen. Wer schon einmal ein Spiel entwickelt hat, weiss, dass man mit Papier, Karton und Stiften sehr weit kommt – auch ohne Programmierkenntnisse oder entsprechende Software. Ausserdem sind sie unabhängig einsetzbar. Wer hat in einer Skihütte nicht schon einmal mit Karten oder Würfeln gespielt, ohne auf Internet oder Strom angewiesen zu sein? Dies führt zum nächsten Pluspunkt – gemäss meiner Erfahrung erzeugen analoge Spiele geringere Berührungsängste z.B. bei älteren Spielern. Ein nicht zu unterschätzender Nutzen, wenn man an Diversität denkt. Zudem ist analoges Erleben persönliches Erleben. Digital kann man vieles simulieren, aber die Eindrücke, die man durch den direkten Kontakt mit Menschen erhält, sind an Reichhaltigkeit nicht zu überbieten. Zu guter Letzt und in meinen Augen das wichtigste Argument: Analoge Spiele haben eine hohe Wertigkeit. Und zwar weil man mit der wertvollsten Währung zahlen muss, die man hat und zwar mit Zeit. Analoge Spiele verlangen, dass man sich mit anderen an einem Ort versammelt und zusammen Zeit verbringt bzw. investiert. Dies ist eine hohe Form von Respekt den Mitspielern gegenüber. Diese Verbindlichkeit macht analoge Spiele auch so geeignet für verschiedene Formen der Teambildung. Denn nur gemeinsames Erleben kann ein Wir-Gefühl erzeugen. Kurzum die Schwächen der analogen Spiele sind auch deren Stärken – sie sind nicht unendlich multiplizierbar, sondern persönlich und an den spezifischen Moment gebunden.

 2016-Roberto Siano-www.spielbuero.ch 

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