Dies & Das: Schönborn kann sich verheiratete Priester vorstellen

14. April 2019

Das Zölibat habe allerdings 2000 Jahre Tradition, „die auch der Papst nicht beim Frühstück ändern könne“, sagte Schönborn in der ORF-„Pressestunde“. Die Asylpolitik der Regierung nennt er „unmenschlich“

foto: apa/herbert neubauer Kardinal Christoph Schönborn hält verheiratete Priester künftig für möglich.

Wien – Kardinal Christoph Schönborn kann sich vorstellen, dass verheiratete Diakone in Zukunft auch Priester werden dürfen. Und er ergänzte: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Zukunft nicht nur verheiratete Diakone geben wird, sondern auch verheiratete Priester“, sagte Schönborn am Sonntag in der ORF-„Pressestunde“. 

Zum Thema Zölibat meinte er allerdings, dass die Kirche eine 2000 Jahre Tradition habe, „die auch ein Papst nicht beim Frühstück ändern kann“. Die Frage der Frauen-Beteiligung sei aber ein wichtiges Thema. „Da haben wir weltweit ein Problem“, auch bei den anderen Religionen wie Judentum und Islam.
Frauen brauchen mehr Platz in der katholischen Kirche, das sei für die Zukunft entscheidend, sagt Kardinal Christioph Schönborn in der ORF-„Pressestunde“. So könnte er sich etwa Diakoninnen vorstellen – und er geht noch einen Schritt weiter: künftig könnte es auch verheiratete Priester geben.

ORF-„Pressestunde“ vom 14.2.2019

Kardinal Christoph Schönborn spricht in der ORF-„Pressestunde“ u.a. über Konsequenzen aus den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche, über Reformpläne in der römisch-katholischen Kirche und über die Sozial- und Flüchtlingspolitik der Regierung.
Die Fragen stellen Gerold Riedmann („Vorarlberger Nachrichten“) und Gaby Konrad (ORF).

Mit der Asylpolitik der Regierung ging Schöborn hart ins Gericht. „Eine kleine Gruppe von Menschen wird offensichtlich systematisch in ein schiefes Licht gerückt. Asylwerber werden unter Generalverdacht gestellt“, kritisierte der Wiener Erzbischof in der ORF-„Pressestunde“ am Sonntag.

Das sei keine Generalkritik an der Regierung, diese mache vieles gut, aber „wir machen uns Sorgen um die Asylpolitik“. „Ich beurteile diese insgesamt mit Sorge. Es gibt Signale, die nicht notwendig sind“, so Schönborn. Die Anbringung des Schildes „Ausreisezentrum“ an das Tor der Erstaufnahmestelle Traiskirchen – „Das ist einfach unmenschlich.“

„Da ist schon Gesprächsbedarf, wenn eine kleine Gruppe von Menschen offensichtlich systematisch in ein schiefes Licht gerückt wird. Das tut weh, weil es um elementare Menschenrechte geht“, so Schönborn, der selber als Flüchtling am Arm seiner Mutter, die heute ihren 99. Geburtstag feiert, gekommen sei.

Er bestreite nicht, dass es unter den Flüchtlingen auch welche gebe, die man möglichst schnell wieder nach Hause schicken solle, aber die meisten von ihnen seien vor Krieg und Tod geflüchtet und traumatisiert, redete der Kardinal der Regierung ins Gewissen. Besorgt zeigte sich der Kardinal auch über die „populistischen Tendenzen in ganz Europa, denen wir uns entgegenstellen müssen“.

„Hatscherte“ Karfreitagslösung

Unglücklich ist nach Meinung Schönborns die Karfreitags-Debatte gelaufen. Am besten wäre ein zusätzlicher Feiertag für alle gewesen. Die Lösung mit dem persönlichen Feiertag „ist ein bisschen hatschert, aber es ist eine Lösung“. Zum diskutierten Austausch von Feiertagen zwischen Katholiken und Evangelischen, verwies Schönborn auf die Sozialpartner, die das hätten verhandeln müssen. Das müsse gesellschaftlich ausdiskutiert werden, „ich persönlich hätte nichts dagegen“.

„Es wird leider immer Missbrauch geben“

Mit Blick auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche unterstrich der Kardinal, dass sich die Kirche in einem „Kulturwandel“ befinde. Früher seien Autoritäten – auch jene des Priesters – nicht hinterfragt worden. Darin liege seines Erachtens ein Hauptgrund für die Häufung der Missbrauchsfälle in den 1950er und 1970er Jahren. Eine weitere Ursache seien die „geschlossenen Systeme“ wie etwa Heime und Internate.

„Geschlossene System begünstigen Missbrauch“, das sehe man nicht nur bei der Kirche, sondern auch beim ÖSV. „Es wird leider immer Missbrauch geben, weil Gewalt, Macht und Sexualität sehr schwer zu beherrschende Kräfte sind“, aber in einer offenen Gesellschaft und einem offenen System sei das schwieriger, so Schönborn.

Er versicherte, dass es für Täter kirchenintern Konsequenzen gebe. Weltweit seien über 300 Priester ihres Amtes enthoben worden. Zahlen für Österreich konnte er nicht nennen. Die Kriechensanktionen seien aber zum Teil strenger als die weltlichen.

Gefragt nach der „Causa Schwarz“ unterstrich Schönborn, dass die Vorwürfe kirchen- und weltenrechtlich geprüft werden. Die Entscheidung liege in Rom. Kirchliche Institutionen seien autonom. Er sei nicht der Chef der österreichischen Kirche und könne daher auch irgendwo „hineinregieren“. (APA, 14.4.2019)


 


 

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