Dies & Das: Chancen auf dem Land II

24-STUNDEN-HOFLADEN

Biogemüse im Burgenland kaufen ohne Plastikmüll

Im nördlichen Burgenland gibt es seit einiger Zeit Container und Hofläden, in denen man rund um die Uhr Gemüse und Milchprodukte einkaufen kann.

Guido Gluschitsch 

26. August 2019

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Die Hofläden von Hans Goldenits sind ein schöner Beweis dafür, dass Menschen mit Verantwortung doch ganz gut umgehen können. Hans Goldenits hat seine Landwirtschaft in Tadten, im hinteren Winkel auf der abgelegenen Seite des Neusiedler Sees. Unter einem Dorfladen stellt man sich vielleicht etwas anderes vor als die drei Container, die derzeit in Neusiedl am See, in Eisenstadt und in Hornstein stehen. Zwei weitere sind gerade in der finalen Planung.

Hans Goldenits vor seinem Hofladen in Hornstein, unweit von Eisenstadt. Der Container hat rund um die Uhr offen. Man bedient sich selbst, rechnet eigenständig ab und zahlt. So ist man beim Einkauf flexibel und spart auch gleich unnötige Plastikverpackungen ein.
Foto: Guido Gluschitsch

Wir treffen Hans Goldenits in Hornstein, beim kleinsten seiner Einkaufscontainer, der erst vor kurzem aufgemacht hat. „Da schau“, sagt er, „das ist eine der vielen guten Seelen“, und deutet in Richtung eines jungen Mannes, der kurz in den Hofladen geht und gleich wieder herauskommt, um sich zu bedanken, dass das Regal mit den Milchprodukten wieder voll ist. „Es kriegts an zweiten Kühlschrank“, reagiert Hans Goldenits auf die Nachfrage des Kunden.

Die Hofläden sind klimatisiert und rund um die Uhr offen. In Steigen liegt das Gemüse lose auf, es gibt Eier, Gewürzpflanzen, Säfte und eben einen Kühlschrank mit Milchprodukten. Vorn am Eingang steht eine Computerkasse, die an eine Waage und eine Bankomatkassa angeschlossen ist. Die Kunden nehmen sich die Ware, wiegen diese, rechnen selbst ab und bezahlen entweder bar oder elektronisch. Ein Risiko?

Kunden als freiwillige Mitarbeiter

Das Gemüse liegt im Hofladen lose auf und man nimmt am besten sein Gemüsenetz selbst mit. Hat man das vergessen, findet man im Kassenbereich Papiersackerl.
Foto: Guido Gluschitsch

Natürlich sind in jedem Container mehrere Sicherheitssysteme verbaut, jeder Hofladen wird zudem von einer Person vor Ort betreut, im Grunde erledigen aber die Kunden die Rolle der Storemanager selbst. Da hilft man sich gegenseitig beim Erklären der Kasse und ruft den Hans an, wenn das Papier in der Belegkasse ausgegangen ist. Oder kurzerhand die Polizei, wenn ein Strolch Sirupe und Gutscheine verteilt, während er sich als Neffe vom Hans ausgibt, der er nicht ist.

Die Loyalität der Kunden geht sogar noch weiter. „Wir sehen, dass der Großteil der Kunden eher mehr bezahlt als zu wenig“, sagt Hans Goldenits. Man wirft also nicht 9,80 Euro ein, sondern gleich zehn. „Mit dem Bankomaten zahlt man sowieso auf den Cent genau. Obwohl, es gibt auch einzelne schwarze Schafe“, erzählt Goldenits unaufgeregt. Darunter fällt ein Lieferant, aber auch Leute, die sich den ehrlichen Einkauf schlicht nicht leisten können.

Sechsmal in der Woche wird der Laden mit frischen Waren beliefert. Nicht alles, was in den Regalen liegt, ist aus biologischer Landwirtschaft, aber stets auf die Kompatibilität mit dem Geschäftskonzept geprüft. „Wir haben drei Produktionsbetriebe: Hansagfood, das ist der Leitbetrieb, der rein bio ist, einen Paradeiserbetrieb, der zum Teil konventionell arbeitet und zum Teil Bioparadeiser erzeugt. Und wir arbeiten mit Betrieben zusammen, die meist in der Nähe sind. Aber wir haben auch einen Betrieb aus der Steiermark, der einen fantastischen Aroniasirup macht“, erzählt Goldenits.

Produkte wie Gemüse, „für die der Kunde wohl nicht mehr bereit wäre, den vollen Preis zu bezahlen“, so formuliert Hans Goldenits, landen nicht im Müll, sondern in einer „Hamsterkiste“, wo man sie gegen freie Spende entnehmen kann, etwa zum Einkochen oder um seine Tiere zu füttern.

Sechs bis sieben Jahre, schätzt Hans Goldenits, wird es dauern, bis sich sein Konzept rechnet. „Derzeit sind wir im Plan. Mit einzelnen Standorten sogar schon darüber.“ Und was sagen die Supermarktketten, die sich oft in der Nähe befinden? „Bis jetzt nichts. Zumindest nicht offiziell.“ (Guido Gluschitsch, 26.8.2019)

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