Dies & Das: Ein Drittel der Lebensmittel wird verschwendet

UMSONST ERZEUGT

Am Ende der Wertschöpfungskette könnten Wegwerfverbote in Supermärkten einen Lenkungseffekt erzielen. In Österreich ist ein solches Gesetz angedacht.

Nora Laufer 

16. Oktober 2019

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Welternährungstag: Ein Drittel der Lebensmittel wird verschwendet

Jahr für Jahr werden Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen – vieles davon ist noch genießbar.
Foto: APA/AFP/GEORGES GOBET

Die Staatengemeinschaft der Vereinten Nationen hat sich ein durchaus ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2030 soll die Nahrungsmittelverschwendung im Vergleich zu 2016 halbiert werden. Noch liegt das Ziel in weiter Ferne, wie der anlässlich des heutigen Welternährungstags veröffentlichte Bericht der UN-Organisation FAO verdeutlicht. Während global nach wie vor 820 Millionen Menschen an Hunger leiden, gehen 14 Prozent der Lebensmittel auf ihrem Weg vom Feld in den Supermarkt verloren. Rechnet man jene Nahrungsmittel hinzu, die im Handel und in Privathaushalten weggeworfen werden, steigt die Summe Schätzungen zufolge auf rund ein Drittel.

Die Ursachen für den großen Ausfall sind laut FAO vielfältig: Auf dem Weg in den Supermarkt sind vor allem falsche Erntezeiten, klimatische Bedingungen, schlechte Erntetechniken, falsche Lagerung und schlechter Transport für den Verlust verantwortlich.

Nicht ins Regal geschafft

Besonders hoch ist der Wert in Zentral- und Südasien, dort gehen rund 21 Prozent der Lebensmittel verloren, bevor sie überhaupt im Regal landen. In Australien und Neuseeland sind die Verluste mit knapp über sechs Prozent am niedrigsten. Die gravierendsten Einschnitte gibt es laut dem UN-Bericht bei Knollen- und Wurzelgemüse – mehr als ein Viertel der produzierten Güter schaffen es nicht bis in den Supermarkt.

Ab hier unterscheidet die UN-Organisation in den Begrifflichkeiten: Lebensmittel, die bereits in Supermärkten zum Verkauf bereitliegen und dann im Müll landen, fallen unter den Begriff Lebensmittelverschwendung. Im Einzelhandel hänge das oft mit dem Wunsch vieler Konsumenten nach makellosem Obst und Gemüse zusammen, heißt es in dem Bericht. In Privathaushalten sind hingegen in erster Linie schlechte Einkaufsplanung und -lagerung für die Verschwendung verantwortlich. Zudem würden Großpackungen und kurze Mindesthaltbarkeitsdaten dazu führen, dass mehr Lebensmittel als notwendig weggeworfen im Mistkübel landen. Immerhin wissen mehr als die Hälfte der Verbraucher laut einer EU-Studie nicht, was die Kennzeichnung „mindestens haltbar bis“ bedeutet.

Im Müll gelandet

Während die Verschwendung in sogenannten Entwicklungsländern eher am Anfang der Produktionskette entsteht, landen Lebensmittel in Industrieländern vor allem in Haushalten und in der Gastronomie im Müll. In der EU sind Haushalte für gut die Hälfte der Lebensmittelverschwendung verantwortlich. Allein in Österreich landen jährlich 157.000 Tonnen Lebensmittel pro Jahr in der Tonne. Nach Schätzungen des Umweltministeriums entspricht das in etwa der Menge, die eine halbe Million Menschen pro Jahr zu Hause konsumieren.

Die hohe Rate an verschwendeten Lebensmitteln hat nicht nur ökonomische Auswirkungen – das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group schätzt den Wert der jährlich verschwendeten Lebensmittel auf rund eine Billion Euro -, sondern auch ökologische. Immerhin landen für jeden produzierten Kilogramm Lebensmittel 4,5 Kilo CO2 in der Atmosphäre, Millionen Hektar Land werden für die Produktion genutzt.

Laut Weltklimarat ist die Nahrungsmittelproduktion auch ein wesentlicher Faktor der Erderwärmung. Entlang der gesamten Lebensmittelproduktionskette entstehen rund 37 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Umgekehrt verschärft die fortschreitende Erderwärmung die Hungersituation in Krisenregionen, wie ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Welthungerhilfe verdeutlicht. Seit Anfang der 1990er-Jahre habe sich nach Angaben der Organisation die Zahl der Wetterextreme verdoppelt, was zu Ernteverlusten und steigenden Lebensmittelpreisen geführt habe.

Petition gegen Handelsabfall

Eine Möglichkeit, zumindest die Lebensmittelverschwendung am Ende der Wertschöpfungskette einzudämmen, ist ein Wegwerfverbot für Supermärkte. In Tschechien gibt es seit heuer eine entsprechende Novelle, die größere Geschäfte dazu verpflichtet, unverkäufliche Lebensmittel kostenlos an Hilfsorganisationen abzugeben. In einer Onlinepetition wird eine solche Regelung nun auch auf EU-Ebene gefordert. Das Begehren wurde bereits mehr als 1,5 Millionen Mal unterzeichnet.

Hält sich die Volkspartei an ihre Ankündigungen, dürfte es ein solches Verbot bald auch in Österreich geben. Immerhin hat die ÖVP im September angekündigt, sie wolle in der kommenden Legislaturperiode ein Wegwerfverbot für große Supermärkte beschließen. Diese sollen genussfähige Lebensmittel künftig gemeinnützigen Vereinen oder Bedürftigen zur Verfügung stellen. Während die Wirtschaftskammer den Vorstoß ablehnte, kamen ähnliche Ideen auch von anderen Parteien. (Nora Laufer, 16.10.2019)

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