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Kleinkunst – Dies & Das – SbVelden http://sbvelden.at Gemeinsam statt einsam - unser Tor ist immer offen ! Sun, 22 Jan 2023 16:18:42 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.8.5 http://sbvelden.at/wp-content/uploads/2019/11/cropped-cropped-header01-1-32x32.png Kleinkunst – Dies & Das – SbVelden http://sbvelden.at 32 32 Dies & Das: Der Satiriker und das Gute im Politiker http://sbvelden.at/2023/01/21/dies-das-der-satiriker-und-das-gute-im-politiker/ Sat, 21 Jan 2023 18:38:22 +0000 http://sbvelden.at/?p=38014
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WrZ-Themen: Podcasts

Peter Klien

18.01.2023

Der Satiriker und das Gute im Politiker

Traumquoten für 2022 kurz vor Mitternacht im ORF: Peter Klien über „Gute Nacht Österreich“ und die „Wiener Zeitung“.

Den Job als Universitätsbibliothekar hat Peter Klien an den Nagel gehängt und sich im zweiten Berufsweg als Kabarettist selbigen geholt: genauer gesagt den Neulingsnagel 2009 beim Goldenen Kleinkunstnagel. Es folgten Einsätze als Gagschreiber und satirischer Außenreporter für „Willkommen Österreich“ sowie „Die Tagespresse Show“ und weitere Kabarettprogramme.

2019 bekam Klien dann seine eigene ORF-Sendung „Gute Nacht Österreich“, deren Quoten beeindruckend sind: Mit einem weitesten Seherkreis von fast drei Millionen erreichte er im Jahr 2022 ganze 39 Prozent der österreichischen TV-Bevölkerung und einen Marktanteil von 18 Prozent am Hauptsendeplatz am Freitag kurz vor Mitternacht (bei den 12- bis 29-Jährigen sogar 23 Prozent) und immerhin 12 Prozent bei der Wiederholung Dienstagnacht.

Für andere Projekte hat er nun allerdings kaum noch Zeit, sagt er – außer, sie sind wirklich wichtig. So wie die Rettung der „Wiener Zeitung“, für die er sich bei einem Solidaritätsabend am 22. Jänner in der Wiener Kulisse zu Josef Hader, Erika Pluhar, Pizzera & Jaus und anderen auf die Bühne stellt. Die Gratiskarten sind alle vergeben, aber der Abend wird für Youtube aufgezeichnet.

„Wiener Zeitung“: Sie gestalten Woche für Woche eine halbstündige ORF-Sendung. Ist das anstrengender als Kabarett auf der Bühne?

Peter Klien: Die Bühne ist schon energieeffizienter. Da schreibt man einmal ein Programm, und das spielt man dann ein bis zwei Jahre und hat das Vergnügen, es überall hinzutragen, wo man möchte.

Andererseits könnte es auch langweilig sein, ständig denselben Text aufzusagen, oder?

Es wird eigentlich lustiger, je öfter man es spielt. Und auch nach 150 Auftritten macht es eine Riesenfreude. Bei „Gute Nacht Österreich“ ist halt die Herausforderung, dass wir jede Woche quasi bei Null beginnen und ein halbes Kabarettprogramm schreiben. Das ist schon extrem fordernd. Wenn ich Glück habe, dann habe ich einen freien Tag pro Woche.

Manche Künstler sagen, politisches Kabarett werde immer schwieriger, weil die Politik selbst immer satirischer werde. Ist das eine Attitüde?

Nein, man hat das ja erst vorige Woche gesehen, als der niederösterreichische SPÖ-Chef Franz Schnabl erklärt hat, das Sujet mit ihm als „der rote hanni“, das im Wahlkampf in den Sozialen Medien zu sehen war, sei ein Satireprojekt gewesen. Es verschwimmen also immer wieder die Grenzen zwischen der Satire und dem, was auf der politischen Bühne passiert. Das macht die Arbeit für Satiriker natürlich nicht leichter. Es ist schon gut, wenn es eine Politik gibt, die sich wahnsinnig ernst nimmt und sehr seriös auftritt – das kann man dann auch direkt angreifen. Ich glaube, der Bedarf nach humoristischer Zusammenfassung und satirischer Kommentierung ist ungebrochen.

Lebt nur die Satire von der Politik oder braucht auch die Politik die Satire als Reibebaum?

Ich habe schon den Eindruck, dass sich ganz schön viele Leute aus der Politik meine Sendung anschauen und sich natürlich in erster Linie freuen, wenn andere auf die Schaufel genommen werden. Und dass sie dabei in Kauf nehmen, dass ab und zu auch die eigene Partei dran glauben muss. Sie haben jedenfalls ganz schön viel Humor, Gott sei Dank.

„Gute Nacht Österreich“ – Video Dauer: 26:15 Minuten

Kann Satire die Politik verändern?

Es ist eine Stimme unter mehreren, die gehört werden. Ein Beispiel wäre Ulrike Lunacek, die nach dem sehr massiven, direkten Angriff von Lukas Resetarits als Staatssekretärin zurückgetreten ist. Aber ich glaube, es wäre übertrieben zu erwarten, dass das, was man da tut, unmittelbare Konsequenzen hat. Also, davon gehe ich gar nicht aus.

Glauben Sie grundsätzlich an das Gute im Politiker?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube grundsätzlich an das Gute im Menschen. Aber es ist natürlich schon so, dass viele Systeme gut eingespielt sind, sagen wir es einmal so. Und in dem Moment, in dem man Teil eines Systems ist, ist man nicht mehr ganz so beweglich wie als Einzelperson. Dann hat man gewisse Verbindlichkeiten und kann nicht so frei agieren, wie man gerne möchte.

Sie waren und sind berüchtigt für Ihre „Überfälle“ auf Politiker. Viel Überraschungseffekt ist da aber inzwischen nicht mehr dabei, oder?

Die kennen das natürlich mittlerweile alle. Es ist keine journalistische Partisanentour mehr, wo ich quasi aus dem Gebüsch herausspringe und sie erschrecke. Dieser Charakter ist jetzt weg. Ich glaube, der Letzte, der das Format nicht gekannt hat, war Franz Hörl. Der ist mir ins offene Messer gelaufen, das war dann sehr lustig. Er ist im Parlament dann noch dreimal über den Tag verteilt zu mir gekommen, um ein bisschen zu plaudern. Aber ansonsten sind alle darauf eingestellt. Es gibt natürlich Leute, die auch jetzt noch nicht mit mir reden wollen und mich abdrängen lassen. Andere freuen sich, wenn sie mit mir ein bisschen Schmäh führen können. Und es gibt die große Menge jener, die unsicher sind, wie sie damit zurechtkommen sollen. Die fürchten sich davor, einen Fehler zu machen.

Wer fehlt Ihnen noch in Ihrer Sammlung?

Donald Trump.

Und in Österreich?

Herbert Kickl weicht mir bisher erfolgreich aus. Aber ansonsten habe ich, glaube ich, mittlerweile alle vor der Kamera gehabt, die im Land eine Rolle spielen.

Was ist eigentlich Ihre Intention bei diesen Spontaninterviews? Hat sich die verändert im Laufe der Jahre?

Der ursprüngliche Ansatz war, ein paar Bomberln zu zünden. Aber es geht mir nicht um die reine Provokation. Ich möchte diese Interviews in einen Kontext stellen und auf etwas aufmerksam machen. Ich bin selbst politisch irrsinnig interessiert und lese sehr viel dazu. Insofern haben meine Fragen auch immer einen seriösen Hintergrund, auch wenn sie oberflächlich gesehen blöd wirken mögen. An diesem Konzept hat sich eigentlich nichts verändert. Dadurch, dass die Gegenüber mich jetzt schon kennen, bekommt es jetzt auch etwas Spielerisches. Früher haben sie mich oft einfach angestarrt und fassungslos herumgestottert, was auch lustig war. Jetzt versuchen sie halt darauf einzusteigen – oder abzutauchen, wenn sie mich sehen. Es sind jedenfalls gewisse Beziehungen zu den einzelnen Proponenten entstanden. Das hat einen anderen Charakter, der aber auch sehr lustig ist und ein ganz eigenes Bild auf die Politik wirft. In den Social Media, die für mich ein wichtiger Kompass und Gradmesser sind, schauen sich die Leute diese neuen Gespräche genauso gerne an. Positive ist auch: Mit höherer Frequenz wird natürlich auch mein Auftreten sicherer. Es war und ist aber auch für mich immer sehr aufregend, die Staatsspitzen zu treffen und mit ihnen persönlich zu plaudern. Ich war jetzt bei der Regierungsklausur in Mauerbach, und auch da gibt es immer noch schweißnasse Hände und eine gewisse Nervosität.

Manche vermissen Ihre freche „Zeitton“-Reihe gemeinsam mit Ihrem Bruder Volkmar Klien.

Das war eine Idee von Ö1, die super funktioniert hat. Es war ein Spaß für uns beide, diese 20 Folgen. Mit meiner TV-Sendung jetzt geht sich das leider nicht mehr aus, aber es ist nicht gesagt, dass wir da nicht irgendwann einmal wieder anknüpfen. Der Sender wäre jedenfalls sehr interessiert.

Wie sieht Ihr persönlicher Rückblick auf das Jahr 2022 aus?

Mein Grundempfinden ist dasselbe wie bei jedem anderen: Wir leben in einer sonderbaren Zeit, weil es seit ein paar Jahren nicht mehr aufhört. Dieses „es“ ist eine gewisse Unruhe, die von verschiedenen Seiten in unser aller Leben drängt. Wir waren über Jahrzehnte ein ganz anderes Leben gewohnt. Ich bin Jahrgang 1970, und bis vor wenigen Jahren waren äußere Ereignisse für uns im Regelfall weit weg. Das hat sich geändert. Schwierig ist aus satirischer Sicht der Ukraine-Krieg. Als Zeitgenosse würde ich gerne mehr darüber reden, aber das kann man in einem Comedy-Format – und wir wollen ja eine Unterhaltungssendung sein – auch nicht jede Woche bringen.

Und was Corona betrifft: Ist das schon durchdiskutiert oder gibt es da noch Rede- und Zuhörbedarf?

Ich glaube, es sind alle froh, wenn sie nichts mehr davon hören. Da legt jeder schon ein bisschen die Ohren an. Die Menschen sind aber auch so gebaut, dass sie eher nach vorne schauen und alles Schlimme und Bedrückende zurücklassen. In der Psychologie heißt das Verdrängung. Verdrängung kann aber aus meiner Sicht auch positive Aspekte haben. Ich hoffe jedenfalls, dass da nicht mehr viel Neues kommen wird.

Sie stehen am 22. Jänner beim Solidaritätsabend für die „Wiener Zeitung“ in der Kulisse auf der Bühne. Warum?

Weil ich die „Wiener Zeitung“ viel lese. Ich schätze diese unösterreichische Art und Weise, eine Zeitung zu machen, nämlich sachorientiert, nüchtern, eigentlich wie Medien im angloamerikanischen Sprachraum funktionieren. Sie versuchen, mit einer nüchternen Sprache, aus einer gewissen Distanz heraus, Dinge zu benennen und zu analysieren. Mir gefällt das sehr gut, und ich lese die „Wiener Zeitung“ mit Gewinn.•




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Dies & Das: Gerhard Polt(2x Audio) http://sbvelden.at/2019/08/24/dies-das-gerhard-polt/ Sat, 24 Aug 2019 17:38:25 +0000 http://sbvelden.at/?p=11059

Gerhard Polt wird in Salzburg mit dem „Ehrenstier“ ausgezeichnet© BR/Paul Busse

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„Auch im Leerlauf kann man was werden“: Gerhard Polt im Gespräch

So richtig als Kabarettist versteht er sich nicht, und Preise hat der Schauspieler, Autor und Satiriker auch schon viele. Trotzdem freut sich Gerhard Polt sehr über den Ehrenpreis des Salzburger Stiers, wie er im BR-Interview betont.

Der große bayerische Kabarettist, Schauspieler und Satiriker Gerhard Polt hat am Freitagabendden Ehrenpreis zum „Salzburger Stier“ erhalten. Die Jury, die nur selten den Ehrenpreis vergibt, feierte Gerhard Polt als eine Ausnahmeerscheinung. Seit fast 40 Jahren tritt er gemeinsam mit Christoph und Michael Well auf, inzwischen in der neuen Formation als „Well-Brüder aus’m Biermoos„. Christoph Leibold hat mit Gerhard Polt und den Well-Brüdern darüber gesprochen, was ihm diese Auftritte, der Ehrenstier und überhaupt das Kabarett bedeuten.

Christoph Leibold: Herr Polt, Sie haben im Laufe ihres Lebens einige Preise bekommen. Haben Sie irgendwann mal mitgezählt, der wie vielte Preis der Ehrenstier in Salzburg ist? Da ist zumindest einiges dabei vom Deutschen Kleinkunstpreis über den Grimme Preis, den Göttinger Elch, den Valentin Preis… Es gibt von Ihnen ja den Spruch, dass jeder Preis unerbittlich seinen Preisträger sucht. Sie sind sehr oft gefunden worden von den Preisen. Was bedeuten Ihnen dann die Preise überhaupt noch?

Gerhard Polt: Jeder Preis hat ja einen Grund, warum man ihn kriegt – es ist immer eine andere Jury, ein anderer Preis. Die Preise unterscheiden sich schon. Den ersten Preis, den weiß ich noch gut, war der Kultur Förderpreis der Stadt München. Der war für mich sehr wichtig, weil es für mich sozusagen ein Zeichen war, dass das, was ich mache, eine Art Berufung ist.

Es kommt immer darauf an, welcher Preis es ist, wer den Preis vergibt. Es gibt Preise, die nimmt man an, weil er ja anzunehmen ist, annehmbar ist. Aber es gibt sicherlich Preise, wie zum Beispiel der, den ich jetzt krieg, den finde ich hochinteressant, weil der Salzburger Stier ist etwas Besonderes.

Nämlich?

Die Besonderheit, dass es ein Preis ist, der für Leute da ist, die innerhalb des deutschen Sprachraums sind. Die Salzburger-Stier-Idee war ja die, dass Leute, die in Wien Kabarett machen, auch in Württemberg oder irgendwo gehört werden. Das war damals eine Besonderheit, dass man dialektal und sprachlich und aus einem anderen auch politischen Kulturraum was hört. Zum Beispiel das DDR-Kabarett, das nach Österreich kam – zum ersten Mal durften die Kabarettisten ausreisen. Und dies verdanken wir Werner Schneyder, der damals zu dem Kreisky gesagt hat: „Herr Kreisky, tun sie was fürs Kabarett und laden Sie das Kabarett der DDR ein“.

Das Kabarett der DDR hatte Ausreiseverbot, weil es unter der politischen Ägide war. Da ist eben der Kreisky auf den Honecker zugegangen und so kam es, dass die nach Salzburg gekommen sind und da haben wir sie gesehen zum ersten Mal. Das Ganze war für uns eine sehr interessante Sache – damals war auch Hildebrandt dabei, ich weiß noch sehr gut, wie wir uns mit ihnen unterhalten haben. Die kannten uns, ich kannte sie nicht, weil ich natürlich nicht DDR-Fernsehen schaute oder so etwas. Aber es war interessant und die Salzburger Idee überhaupt, das im Sprachraum zu machen, ist eine sehr gute Idee.

Herr Polt, Sie bekommen jetzt den „Salzburger Ehrenstier“, das ist ein Kabarett Preis. Sie haben auch Filmpreise bekommen, sie haben auch einen Literaturpreis bekommen wie den Jean Paul Preis – laufen aber doch meistens unter Kabarettist. In einem alten Interview sagen Sie: Ich habe eigentlich das, was man als Kabarett bezeichnet, immer nur partiell bedient. Wenn Sie also gar kein reiner Kabarettist sind, was sind Sie dann?

Sicher, es ist eine Frage wie man das Genre etikettiert. Es ist ein großer Unterschied. Kabarettist in meinem Sinne sind Leute, die tatsächlich vorwiegend politische Situationen kommentieren. Ursprünglich war das Kabarett ein intellektueller Ausdruck und es war nicht in dem Sinne Brettl-Kunst oder sowas.

Sie sind ganz oft mit der Biermösl Blosn aufgetreten, jetzt mit den „Well-Brüder aus’m Biermoos“. Wie, würden Sie sagen, gewinnt das, was Sie auf der Bühne machen, dadurch, dass Sie noch die Musik dabei haben – und nicht nur Musik, sondern die mit ihrem eigenen anarchischen Humor an ihrer Seite?

Wir sind jetzt fast 40 Jahre beieinander und es ist einfach eine schöne Erfahrung fürs Publikum und für uns selber auch, dass bestimmte Lieder etwas ansprechen oder gewisse Texte verstärken: eine Situation, über die man nachdenkt – sei es aus der Gesellschaft oder aus dem Tun und Handeln von Menschen. Das Lied hat eine eigene Erzählkraft, eine vollkommen eigenständige Möglichkeit, und wenn sich das ergänzt mit den Texten, dann ist das vielleicht für das Publikum ein noch stärkerer Eindruck. Das heißt, wir haben die Möglichkeit, dadurch intensiver Themen oder Situationen dem Publikum nahe zu bringen.

Christoph Well: Aber ich muss noch sagen: Der Gerhard hätte nicht die Hälfte der Auftritte spielen können, wenn er selber gefahren wäre.

Weil?

Christoph Well: Sagen wir mal, er ist autofahr-technisch eine Schnecke oder Schildkröte. Er hat ein retardierendes Moment im Auto, manchmal kommt er über den zweiten Gang raus.

Gerhard Polt: Ich darf mir erlauben, zu sagen, dass ich im Stau wahrscheinlich der gelassenste bin, wenn’s nicht mehr weitergeht. Leerlauf ist für mich nicht das große Problem, auch im Leerlauf kann man was werden.

Gerhard Polt wird in Salzburg mit dem „Ehrenstier“ ausgezeichnet © BR/Andreas Marini

Es gibt von Ihnen den schönen Spruch, der immer wieder mal in Interviews auftaucht: Ich resignierte, aber vital. Was treibt Sie an?

Das ist wahrscheinlich, wie der Hildebrandt gesagt hat: Die Leute, die so was machen wie wir, sind eigentlich Triebtäter. Sonst täte man es ja nicht. Warum erzählt der Erzähler? Weil er meint, er hat eine Geschichte, die anderen Leuten auch Freude macht. Ich bin früher ein paar Mal gefragt worden, was verändern Sie denn da mit diesen Geschichten? Wollen Sie die Welt verändern?

Da habe ich mir gedacht: Die Welt will ich nicht verändern, aber meine Welt ist verändert worden, zum Beispiel als ich den Valentin gehört habe. Weil meine kleine Welt durch die Perspektiven, die der hat, nennen wir es jetzt einmal Froschperspektive, sich für mich auch ausgelöst hat, dass ich bestimmte Dinge anders sehen kann, anders empfinde. Dinge, die ich vielleicht vorher ernst genommen hätte, wo ich vielleicht einen anderen Pulsschlag gehabt hätte. Aber dadurch, dass ich lachen kann, dass man den Ernst auflöst, ist das eine wunderbare Geschichte. Und wenn es Leute gibt, die das können, dann habe ich eine Bewunderung dafür.

Sie können es offenbar auch, sonst kriegten Sie den Preis nicht. Ich möchte zum Schluss nochmal auf die Preisverleihung kommen. Eine legendäre Preisverleihung war natürlich die für den Deutschen Kleinkunstpreis, den sie 1980 bekommen haben, wo sie zehn Minuten lang nichts gesagt haben, beziehungsweise gesagt haben, wieso sie nichts sagen. So eine Preisverleihung ist eigentlich fast nicht mehr zu toppen. So schön kann es beim Stier dann doch gar nicht werden oder?

Diese Preisverleihung hatte ja eine Besonderheit, weil eine Bedrohung da war. Die Bedrohung war, ich solle mal durchlesen, was in dem Vertrag drinnen steht, den ich unterschrieben habe beim ZDF. Da stand drin, dass, wenn der sagt „Lassen’s das weg, das wird gestrichen“, dann war das damals natürlich schon sehr rigide und eine gewisse Bedrohung: „Wenn Sie die Sendung mutwillig kaputt machen, werden Sie in Haft genommen, dann können Sie es zahlen.“ Die Situation war für mich schon bedrückend. Und das war ja noch dazu so komisch, weil der zu mir gesagt hat: „Bitte lassen Sie doch den Namen Old Schwurhand weg.“ Es ging damals um Innenminister Zimmermann. „Lassen sie den Namen Old Schwurhand aus dem Text. Sonst wird die Sendung zu lang.“ Das hat der wirklich gesagt, und das hat mich natürlich sehr gefreut, weil das fand ich schon sehr komisch.

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SENDUNG

radioSpitzen vom 10.05.2019 – 20:05 Uhr

RADIOSPITZEN – KABARETT UND COMEDY

Salzburger Stier 2019 – Ehrenpreis für Gerhard Polt

Dass der bayerische Satiriker Gerhard Polt am Freitag den Ehrenpreis zum „Salzburger Stier“ erhalten hat, ist schon etwas Besonderes. Zum einen, weil der „Salzburger Stier“ die einzige europäische Auszeichnung für Kabarett ist, zum anderen, weil nur in Ausnahmefällen ein Ehrenpreis vergeben wird.

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