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Er wolle „eine ordentliche Mitte-rechts-Politik“ machen, sagte Sebastian Kurz zu Zeiten von Türkis-Blau. Gemeint war: Türkis ist Mitte, Blau ist rechts. Die gleiche Politik wird auf weite Strecken auch heute gemacht, nur mit dem Unterschied: Grün ist Mitte, Türkis ist rechts. Die Grünen müssen nun, nolens volens, in Sachen Migration die Regierungspolitik mittragen.
Für die Zivilgesellschaft bedeutet das eine gesteigerte Verantwortung. Wenn es nicht schon bisher gegolten hat, so gilt es heute mehr denn je: Für eine lebendige Demokratie genügt es nicht, alle vier Jahre wählen zu gehen und alles Weitere den Vertretern der politischen Parteien zu überlassen.
Für Integration ist derzeit eine Ministerin zuständig, die zuvor im Innenministerium tätig war und ihre Qualifikation für dieses Amt mit ihrem Eintreten für das „Burkaverbot“ und gegen den „politischen Islam“ definiert hat. Eine Burka – das hellblaue afghanische Gewand mit dem Gitter vor dem Gesicht – ist in Österreich, soweit bekannt, noch nie gesichtet worden. Und „politischer Islam“ ist ein umstrittener Begriff, den viele Experten ablehnen. Er bezeichnet eine reaktionäre, antidemokratische und frauenfeindliche Ideologie. Unterschwellig zielt er auf die Weltreligion des Islam als solcher. Aber auch Gruppen wie die Muslimische Jugend oder die Initiative muslimischer Österreicher, die für Rechtsstaatlichkeit und Geschlechtergleichberechtigung eintreten, sind politischer Islam. Und auch das Christentum ist politisch. Der Papst ist politisch. Das Evangelium ist politisch. Die zehn Gebote sind politisch.
Politik im weitesten Sinn ist die Art, wie die Gesellschaft gestaltet wird und wie die Menschen in einem Lande zusammenleben. Die Zivilgesellschaft soll und muss hier auch mitreden. Die Richter. Die Journalisten. Die Beamten. Die Universitäten. Die NGOs mit ihren zehntausenden Freiwilligen. Die Lehrer. Die Gewerkschaften. Die Wirtschaft. Und alle Bürger und Bürgerinnen, denen daran liegt, dass das Land nicht noch weiter entlang der Spaltlinie „Einheimische“ und „Zuwanderer“ auseinanderdriftet.
Müssen wir wirklich hilflos zuschauen, wie qualifizierte, gutintegrierte Flüchtlinge, die die Wirtschaft gut brauchen kann, abgeschoben werden? Wie Mädchen, die aus freien Stücken und aus Stolz auf ihre Identität ein Kopftuch tragen, zum, wie sie sagen, „Sichausziehen“ gezwungen werden? Wenn es nach Ministerin Raab geht, womöglich auch Lehrerinnen? „Kopftuchdemütigung“ nannte das der katholische Theologe Paul M. Zulehner. Kreuz in der Schule ja, Kopftuch nein? Asylzentren, die praktisch Gefängnisse sind?
Aber, sagen viele, die Zivilgesellschaft ist doch machtlos. Die Politiker können tun, was sie wollen. Wir dürfen wählen, das muss reichen. Aber Achtung! Ganz so stimmt das nicht. Wir haben immer noch eine unabhängige Justiz. Der Verfassungsgerichtshof hat die Mindestsicherung gekippt. Ob die Sicherungshaft verfassungskonform ist, wird sich noch zeigen. Und bei der Bundespräsidentenwahl hat sich deutlich herausgestellt, dass die politischen Parteien nicht allmächtig sind. Dass Alexander Van der Bellen gewählt wurde, war keine Parteientscheidung, auch nicht die der Grünen, sondern eine der Zivilgesellschaft. Wenn’s drauf ankommt, ist auf sie Verlass. Auch jetzt noch. (Barbara Coudenhove-Kalergi, 23.1.2020)

Susanne Wiesinger, mittlerweile vom Bildungsministerium freigestellte „Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkonflikte“ an Problemschulen, hat viel zu tun: Parallel zu ihrer Buchneuerscheinung Machtkampf im Ministerium tobt zwischen ihr und dem Ressort ein Streit, der über die Medien ausgetragen wird – am späten Montagnachmittag meldet sie sich auf eine Interviewanfrage telefonisch.
STANDARD: Sie waren ein Jahr als Ombudsfrau österreichweit an Schulen. Wo liegen die Probleme?
Wiesinger: Es sind kulturelle Probleme. Da geht es beispielsweise um die Verweigerung der Teilnahme am Schwimmunterricht, Zwangsverheiratung, Gewalt und sogar Genitalverstümmelung. Das betrifft natürlich nicht nur muslimische Kinder, aber gerade die Integration dieser Kinder war bei allen Besuchen ein Thema. Und natürlich die Sprache. Wenn die Kinder schlecht Deutsch sprechen, kommen sie auch im Unterricht nicht voran.
STANDARD: Lässt sich das so einfach auf alle Schulen oder Brennpunktschulen umlegen?
Wiesinger: Nein, natürlich nicht. Wir haben keine empirischen Untersuchungen durchgeführt. Das war auch nicht meine Aufgabe. Aber im Gespräch mit den Lehrern, Schulleitern und auch Schülern wurden mir diese Probleme so berichtet. Etwa dass Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen wollen oder der Holocaust nicht unterrichtet wird, weil es sonst Konflikte mit muslimischen Kindern gibt. Das heißt, es kommt vor. Und man muss etwas dagegen tun.
STANDARD: Sind das nur Einzelfälle oder Massenphänomene?
Wiesinger: Diese Probleme gibt es nicht an allen Schulen. Aber dass Mädchen zwangsverheiratet wurden oder dass Lehrer diesen Verdacht hegen, ist wirklich sehr oft vorgekommen, und zwar bei jedem Gespräch. Da gehört noch viel Aufklärung betrieben.
STANDARD: Kann man diese Probleme lösen?
Wiesinger: Ja, auf alle Fälle. Man muss allerdings viel konsequenter vorgehen und darf Probleme nicht unter den Tisch kehren. Und deswegen habe ich mein zweites Buch geschrieben. Denn mit Parteipolitik können wir das nicht lösen.
STANDARD: Haben Sie sich im Ministerium beobachtet gefühlt?
Wiesinger: Sobald Minister Heinz Faßmann während der Übergangsregierung weg war, wurde ich mehr vom Kabinett kontrolliert, und es war schwieriger für mich, unabhängig zu arbeiten. Ich glaube, dass die Sorge groß war, dass ich etwas verlautbare, das nicht auf Linie ist.
STANDARD: Hat es Sie überrascht, wie parteipolitisch im Bildungsministerium agiert wird?
Wiesinger: Nein. Aber wenn man direkt betroffen ist, ist es unglaublich ernüchternd. (Davina Brunnbauer, 20.1.2020)